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ie erste
Ausstellung an der wir, Taylor, Scraggy und ich, in unserem Leben aktiv
teilnehmen. Die Aufregung ist groß, wie die Fahrt organisieren, was anziehen,
wo parken, wo warten, wen um Auskunft bitten.... So viele Sachen die man zum
ersten Mal macht, nichts scheint einfach und direkt zu sein. Man hat sich
vorab Schauen angesehen, Bücher gelesen, die Züchter genervt und mit anderen
Ausstellern gesprochen. Und nun? Nichts ist hängen geblieben, die Aufregung
ist ganz einfach zu groß und die Einsicht, dass zwischen Theorie und Praxis
ganze Welten liegen, macht die Sache auch nicht einfacher. Wir haben Glück,
unsere Züchter hatten uns eingeladen und wollten uns mit Rat und Tat zur
Seite stehen.
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Nur
zu dumm, dass wir als Erste eintreffen. Schon das Parken ist ein
Spießrutenlauf. Das was man ganz sicher braucht an so einem Tag ist,
angerüffelt zu werden, und das schon nur weil man versucht sein Auto
abzustellen! Wer sich schon einmal in Taylors World umgesehen hat, weiß
vielleicht, dass mein Mann Britischer Staatsbürger ist. Ich bin an diesem
Morgen zu gar nichts zu gebrauchen und würde uns wahrscheinlich um unser
Leben bringen, also fährt er. Ich kümmere mich um Taylor, checke die Papiere
- zum zehnten Mal, hinterfrage die Route, die Scraggy einschlägt und versuche
zu bestimmen welcher der vielen Eingänge nun der ist, durch den wir die
"Heiligen Hallen" betreten müssen.
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Scraggy
findet trotz meiner Nörgelei einen Parkplatz, obwohl sein Gesichtausdruck
widerspiegelt, dass er wieder nach Hause fahren will. Plötzlich, Gebrüll,
jemand hämmert an das Autofenster, ich beiße mir vor Schreck auf die Zunge,
Taylor flippt im hinteren Teil völlig aus und Scraggy schaut mich fragend an.
Er leiert das Fenster herunter und schon haben wir das Gezeter in voller
Lautstärke, als hätte einer den Digital Dolby Surround Sound angeschaltet!
"Könnt ihr nicht lesen? Diese Parkplätze sind für Ehrengäste reserviert!
Fahrt euer Auto hier weg, aber schnell!" Ein älterer Herr mit Brille, im
dunklen Anzug steckt seine grimmige Mine durch das offene Fenster. Nein, ich
habe nicht auf die Schilder geachtet, weil ich mit anderen Dingen (Nörgeln)
beschäftigt war und Scraggy konnte sie nicht lesen. In seinem besten Deutsch
erklärt er seine Entschuldigung, und dass er wohl die Schilder nicht erkannt
hat da sie in deutscher und nicht auch in englischer Sprache geschrieben
waren. "Seid ihr Engländer, oder was?" NEIN - wir wollen nur zur allgemeinen
Verwirrung beitragen und uns Schilder in einer Sprache durchlesen, die wir
gar nicht verstehen!!! Dass auf einer Internationalen Ausstellung, auf der
der größte Teil aller Hunderassen ausgestellt wird, ein Engländer auftauchen
könnte ist dann wohl doch zu weit hergeholt! Noch dazu, wo seit zwei Monaten
die Quarantäne aufgehoben ist, und die Briten, zwar mit viel Papierkrieg aber
ohne 6-monatige "Gefängnisstrafe" für ihren Hund, nun den Kontinent besuchen
können. Das Gesicht des Herren ist jetzt hochrot und hängt immer noch durch
das offene Fenster. Scraggy hat keine Lust mehr zu versuchen dem Herren eine
Erklärung abzugeben und signalisiert ihm mit einer kurzen, typisch
englisch-arroganten Handbewegung er solle seinen Kopf aus unserem Auto
nehmen.
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Toller
Anfang! Ich bin begeistert! Wir finden einen Parkplatz und wissen immer
noch
nicht welche der vielen Türen nun die jenige welche ist. Ich nehme meinen
Hund und die Papiere und verlasse mich auf den alten Kinderreim "Eene, meene,
miste..." und nehme die mittlere Tür. Ziehe den Kopf ein um mich auf das
nächste Digital Dolby Surround Sound Erlebnis einzustellen. Ich werde an der
Tür begrüßt, man fragt mich nach dem Impfausweis, ich bekomme einen Katalog
und mir wird viel Erfolg gewünscht. Das ging schon besser. Endlich in der
Halle, sehe ich alles nur keine Doggen. Die hätten mir an der Türe doch wohl
gesagt wenn ich hier falsch gewesen wäre? Mein Hund war ja schwer zu
übersehen. Einmal durch die ganze Halle - ahhh, da hinten ein Ring in der
Ecke und einige Doggen rund herum, das muss es sein! Wir kommen am Ring an,
es ist etwas eng, obwohl noch gar nicht viel los ist. Rund um den Ring stehen
Käfige, wie sieht es damit aus? Kann man die einfach belegen, wieso sitzt da
ein keifender Rottweiler in mitten der Doggen? Bin ich vielleicht doch
falsch? Nun gut, wir sind ja schon an angebrüllt werden gewöhnt, belegen wir
doch einfach einen Käfig und setzen uns vor den benachbarten, die Züchter
wollen ja auch noch mit zwei Hunden kommen! |
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Da war doch noch etwas.
Muss man sich hier nicht anmelden? Oder wird man aufgerufen? Sollte ich einmal in den
Ring gehen, dort war ein Stand aufgebaut an dem reges Treiben
herrschte?
Darf ich den Ring überhaupt betreten? Muss ich den Hund mitnehmen oder darf
er da noch gar nicht mit hinein? Zu viele Fragen? Ja, mir hat auch der
Schädel gebrummt, wurde man hier doch angebrüllt wenn man einen Fehler
machte. Also nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und gehe mal an den Stand.
"Muss ich mich hier melden, wenn ich ausstelle?" "Sieht man das nicht? Welche
Nummer?" Welche Nummer? Was für eine Nummer? Sollte ich die haben? Woher? Ich
werde etwas ungeduldig angesehen. Ich muss doch wohl die Startnummer meines
Hundes haben! Muss ich das? Man müsste erst einmal wissen, dass das die
Nummer ist nach der gefragt wird! Mit einem Seufzer wird mir dann gesagt,
dass man da erst einmal in den Katalog schauen muss! Das muss ja viel Arbeit
machen und unheimlich lange dauern - das ist jedenfalls das Gefühl welches
mir von der Dame übermittelt wird. Ich rechne schon halb damit den Satz zu
hören: "Wenn du keine Ahnung hast, dann fahr doch wieder nach Hause." Aber
... das passiert dann doch nicht. Mein Taylor wird dann auch im Katalog
gefunden, so viele blaue Rüden gibt es dann in der Jungenklasse doch wieder
nicht. Ich bekomme meine Papiere, ein Pappschild mit einer Nummer drauf, von
dem ich annehme, dass ich es mir anstecken muss. Anstecken! Anstecknadeln?
Hatte mich darauf mal jemand hingewiesen, und ich hab's wieder vergessen?
Oder ist das auch eines dieser kleinen Dinge die du selber heraus finden
musst, und die dir den Verstand rauben wenn sowieso schon alles daneben geht? |
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Endlich,
die Züchter tauchen auf! Ich bin schon vor Anfang
der Veranstaltung am Ende.
Es gibt eine herzliche Begrüßung von Hunden und uns. Ich bekomme ein T-Shirt
mit dem Zwingerlogo und dem Bild von Taylors Großeltern darauf und die
Züchterin wünscht uns viel Glück. Jetzt komme ich langsam wieder auf die Erde
zurück, jetzt ist ja jemand da der weiß was hier alles passieren soll. Nicht
lange hin und meine Mama taucht auch in den Hallen auf. Sie hat sich um fünf
Uhr in der Frühe in den Zug gesetzt und ist von Dresden hier nach Erfurt
gefahren um die "Enkeldogge" bei seinem Debüt anzufeuern. Sie hat eine Tüte
Süßigkeiten dabei, Nervennahrung! So etwas können halt nur Mütter. Für die
Hunde gibt es Reis Crispies. Sie hat an alles gedacht. Ich bekomme auch von
irgendwo her eine Anstecknadel. Jetzt heißt es warten. Wer einen blauen Hund
sein Eigen nennt weiß, dass das für uns immer etwas länger dauert als für die
anderen Farben. |
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Es scheint Stunden zu
dauern. Wir machen einen kleinen
Abstecher
in die andere Halle, wiegen den Hund, kaufen eine Vorführleine und machen uns
wieder auf den Weg zu unseren Käfigen. Durch die Besucher ist es fast
unmöglich wieder an unseren Platz zu gelangen. Es ist sehr eng, ich muss
aufpassen, dass ich nicht zu nahe an einen Rüden gerate, der andere Rüden
nicht besonders mag. Auf eine Beißerei kann ich jetzt gut und gerne
verzichten! Unsere Hunde sorgen für einen Massenauflauf. Es bleiben viele
Besucher bei uns stehen, stellen Fragen und gratulieren uns zu solchen
schönen Hunden. Einige wollen wissen wo sie solch einen Hund wohl herbekommen
können. Taylor ist ganz ruhig und liegt im offenen Käfig. Das schindet
mächtig Eindruck und viele Leute greifen sich ein Herz und fragen ob sie denn
den Hund mal streicheln dürften. Alles kein Problem, Taylor bellt und knurrt
nicht obwohl all die Leute fremd für ihn sind. Er scheint die Aufmerksamkeit
sogar zu genießen. |
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Dann
sind wir dran! Alle 4 blauen Rüden der Jugendklasse müssen in den Ring. Ich
scheine der einzige Anfänger zu sein. Jetzt kommt das, wovor ich die meiste
Angst hatte: Laufen! Mein Hund ist um einiges fitter als ich und schon seit
Tagen habe ich Angst davor prustender Weise im Ring zusammen zu brechen und
nicht zeigen zu können was Taylor alles kann. Da hab ich mir wohl zu viele
Sorgen gemacht, keiner läuft hier alle gehen nur schnellen Schrittes im
Kreis. Da lauf ich doch fast noch auf den Vordermann auf. Puh ... das war ja
leicht. Dass mein Hund auf Grund des fehlenden Tempos Pass läuft merke ich
natürlich nicht. |
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Jetzt
alle einzeln! Na dann mal los, ich weiß zwar nicht was ich alles so machen
muss, aber das werden sie mir sicher gleich sagen. Nein ... Sagen tut keiner
was. Ich stehe mit Taylor so, dass ich auf die Richter schaue. Allerdings
fällt mir dabei nicht auf, dass ich mit dem Rücken zum Publikum stehe. Dem
zufolge kann ich auch nicht sehen wie meine Anhängerschaft mit den Armen
wedelt und das Rufen kann ich in dem allgemeinen Hallenkrach erst gar nicht
hören. Ich und mein Hund sehen den Richtern ins Gesicht, er steht relativ
still und ich bin zufrieden, dass ich nicht schon vor Aufregung ohnmächtig
geworden bin.
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Schwupps
- weg ist die Leine!!! Nanu? Hab ich da in der Aufregung doch los gelassen? Hmmm,
da hält doch jemand meinen Hund ...
und dreht ihn
ins Publikum ... Ach so, die Züchterin! Ja, dann stehen wir
doch mal daneben oder gehen wir
lieber? Zur Seite gehen ist dann doch besser
als ohne Hund in der Mitte vom Ring zu stehen. Ein Rappeln geht durch meinen
Hund. Oh wie süß!!! Er vermisst mich so sehr, dass er sich jetzt auch noch
auf den Boden schmeißt! Ich bin stolz auf meinen Taylor. Leider schindet das
bei den Richtern keinen so großen Eindruck, wir werden ja nicht nach der
Liebe zueinander bewertet. Schade eigentlich, hätten wir sie doch alle aus
dem Ring gefegt. Ich erlöse Taylor und übernehme die Leine wieder. Was haben
wir daraus gelernt? Es ist egal welchen Körperteil du den Richtern zuwendest,
solange du die deinigen im Publikum sehen kannst! Die Richter drehen sich
schon rund um deinen Hund wenn es nötig ist.
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Und
nun noch einmal alleine durch den Ring laufen. Da das ja vorhin so gut
geklappt hat, und alle es so gemacht haben, gehen wir noch einmal
schnellen Schrittes rund
um den Ring und diagonal durch den Ring. Und wieder
läuft Taylor Pass, ist er nicht ein Naturtalent? Was der alles kann! Zähne
zeigen, ein anderer wunder Punkt, war als nächstes dran. Und es klappt alles
wunderbar! Taylor lässt sich sogar in die Schnauze greifen, da der Richter
fühlen will ob die P1 Zähne auch da sind. Komisch mir will er die Dinger nie
so einfach zeigen! Aber wer will sich beschweren, wenn es Taylor nicht in den
Sinn kommt einem Fremden mal kurz die Hand ab zubeißen! Nun
sind die anderen dran. Jeder legt hier seine Einzelkür ab. Der
flüssige Ablauf wird nur kurz beim vierten Hund unterbrochen. Das Zähnezeigen
dauert bei diesem Rüden etwas länger. Es kommen noch die verschiedensten
Leute zusammen und alle wollen sie dem armen Kerl ins Maul schauen. Nach
einer Weile sieht er das gar nicht mehr ein und beginnt zu zappeln. Dann die
Überraschung. Der Rüde wird aus dem Ring genommen und die Meldung vom
Besitzer zurück gezogen. Ich habe keine Ahnung was da vorgefallen ist, bin
aber auch nicht traurig - ein Konkurrent weniger! |
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Die
drei verbliebenen Hunde stehen jetzt in der Mitte des Rings und warten auf
die Bewertung. Jetzt ist es soweit, mal
sehen wie wir so abgeschnitten haben. Wir schauen alle gespannt zur Tafel.
Der erste Hund bekommt ein Gut, der zweite
Hund bekommt ein ... Gut, Taylor bekommt ... lange nichts. Wir warten und
warten,
dann
erscheint Taylors Bewertung ... ein Gut! Jetzt wissen wir aber immer noch
nicht in welcher Reihenfolge die Hunde platziert wurden. Als wir nach fragen
wird uns gesagt "Gar nicht". Wie gar nicht. Tja, die Hunde sind alle nur gut
und da sparen wir uns die Platzierung! Die Erklärung warum Taylor "nur" Gut
war kommt dann wie eine Ohrfeige. Er ist ja mehrmals Pass gelaufen und
außerdem fehlen Vorbrust und Brustbreite. Dann ist er zu leicht, ihm fehlt
die nötige Substanz der Deutschen Dogge. Die Höhe ist allerdings, als der
Richter auf meinen Hund schaut und sagt: "Na, das wird wohl auch nichts
mehr!" Taylor ist 9 Monate, und gerade erst seit 25 Tagen in der Jugendklasse
zu gelassen!!!! Wo sollen denn da Brustbreite und Substanz herkommen? Ich
dachte immer Richter müssen auch Züchter sein? Es stellt sich heraus, dass
sie das auch sind. Bis jetzt hatte ich immer den Ausführungen meiner
Züchterin, meines Tierarztes, von Fachbüchern und anderen Doggenbesitzern
Glauben geschenkt. All diese Leute waren einstimmig der Ansicht, dass ein
Doggenrüde erst mit ca. 20 Monaten "fertig", das heißt ausgewachsen ist - mit
Brustbreite, Vorbrust und Substanz. Das muss ein Übermensch sein, dieser
Richter, jetzt schon bestimmen zu können, dass aus meinem Hund nichts mehr
wird! Jetzt weiß ich es ja, in 11 Monaten wird mein Taylor immer noch
aussehen wie ein Windhund, die Hoffnung auf eine stolze Dogge kann ich nun
wohl aufgeben! Zu leicht ist er auch, Oh je! Nun, die selben vorgenannten
Leute haben mir immer vermittelt: Halte den Junghund leicht, zu viel Gewicht
strapaziert die Knochen und Bänder! Bisher waren Züchter und Tierarzt auch
sehr zufrieden mit Taylor. Er steht auf geraden Beinen, die letzten drei
Rippen sind Ansatzweise zu erkennen und deutlich fühlbar, er ist lebhaft und
hat "Katzenpfoten". Ich hab wohl alles richtig gemacht... |
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Wir
fahren nach Hause. Ich versuche immer noch zu verstehen, dass ich meinen Hund
wohl besser kaputt gefüttert hätte um einen Ausstellungserfolg verbuchen zu
können. Nun gut, weitere Ausstellungen stehen nicht auf dem Plan und Taylors
Karriere scheint kurz und schmerzlos gewesen zu sein. Er hatte Spaß und das
war wichtiger! Den ganzen Tag Leute und Hunde, Leckerchen, streicheln - wem
würde das nicht gefallen. Wenigstens weiß ich, dass mein Hund belastbar ist
und sich auch durch große Menschen- und Hundemengen nicht aus der Ruhe
bringen lässt. Also habe ich einen wesensfesten und gesunden "Windhund".
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